Phänologie - NaturVerrückt | FarbVerrückt

Wann beginnen die Schneeglöckchen zu blühen? Wann kehrt die erste Rauchschwalbe aus dem Süden zurück?
Schneeglöckchen/Snowdrop CC: BY Armin Vogel | flickr

Phänologie - was ist das überhaupt?

Phänologie leitet sich von altgriechisch für phaíno - „ich erscheine“ ab. Die Lehre über die Erscheinungen beschäftigt sich mit der Entwicklung der Pflanzen und dem Verhalten der Tier im Jahresverlauf, also im Endeffekt mit der Abhängigkeit von den Jahreszeiten die wiederum maßgeblich von der Witterung geprägt werden.
 
Seit langer Zeit machen sich interessierte Menschen daran, die sie umgebende Pflanzenwelt eingehend zu beobachten und auch festzuhalten - wann - was los ist.
Schon Paracelcus meinte: „Annus fructicat, non terra“ was übersetzt bedeutet: „Das Jahr bringt die Frucht, nicht die Erde.“ Damit meinte er, dass der Jahresablauf und die Witterung Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktion haben.
Auch wenn heute die erhobenen Daten in der Wissenschaft für die Klimaforschung und die Pollenvorhersage verwendet werden, ist es keine neuer Erfindung sondern eine ganz alte Methode deren sich schon die Römer oder Chinesen vor über zweitausend Jahren bedient haben. Damals hat man sich im Ackerbau an der Entwicklung der Wildpflanzen orientiert und den Saatzeitpunkt angepasst um so die Ernteausfälle verringert.
Die älteste und längste phänologische Datenreihe ist die der Kirschblüte in Japan.
Schon im 18. Jahrhundert hat der Schwede Karl von Linné, als erster ein größeres phänologisches Beobachtungsnetzwerk gegründet und dafür auch die ersten gültigen Beobachtungsanleitungen verfasst, die in ihrer Idee bis heute gelten.

Als 1851 in Wien die "Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus" gegründet wurde, wurde von Karl Frisch auch das erste österreichweite phänologische Beobachtungsnetz angelegt. In den Jahrbüchern der Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus wurden die erhobenen Daten jährlich publiziert. Das Netzwerk wurde 1877 aufgelöst. Danach wurden immer wieder phänologische Beobachtungen durchgeführt, die aber nach kurzer Zeit wieder einschliefen. Erst 1928 wurde auf Anregung von Friedrich Rosenkranz der phänologische Beobachtungsdienst in allen Ländern Österreichs durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien wieder ins Leben gerufen. Zehn Jahre später umfasste das Beobachtungsnetz 150 Stationen, bevor es im Zuge der Vorgänge des Zweiten Weltkrieges 1938 dem Reichsamt für Wetterdienst in Berlin unterstellt wurde. Die Beobachtungen wurden von da an nach Berlin geleitet. Der Großteil dieser Beobachtungsbögen ist im Kriegsgeschehen verloren gegangen oder verbrannt. Die Daten wurden ab 1946 wieder nach Wien gemeldet und konnten mittlerweile auch digitalisiert werden.

Derzeit beobachten rund 100 Citicen Scientists in ganz Österreich die Entwicklung der Natur und zeichnen die Eintrittsdaten auf. Organisiert und ausgewertet werden die Beobachtungen vom Phänologieportal der ZAMG.

Und was machen wir heute daraus?

Mit Hilfe der Phänologie lässt sich die Reaktion von Pflanzen und Tieren auf den Klimawandel erforschen. Studien belegen, dass Pflanzen und Tiere der mittleren und höheren Breiten der nördlichen Hemisphäre auf den Anstieg der Temperatur während der letzten Jahrzehnte reagiert haben. Die Vegetationszeit hat sich im Frühjahr nach vorn und im Herbst nach hinten ausgedehnt.

Ein Beispiel:

elder ripening2

 Auf der horizontalen Achse ist das Jahr aufgetragen, auf der linken senkrechten Achse die Temperaturabweichung vom Mittel und auf der rechten senkrechten Achse der Jahrestag des Eintritts der Beerenreife. Schwarzer Holunder Beginn der Fruchtreife (rote Kurve) in Abhängigkeit von der Sommertemperatur (schwarze Kurve; die dicken Kurven stellen das gleitende Mittel über die Mittelungsperiode von 21 Jahren dar): Die Temperaturzunahme seit Beginn der 1980er führte zu einer Verfrühung der Holunderbeerenreife um ca. 10 Tage.



    

Gelesen 2450 mal| Letzte Änderung am Freitag, 05 Mai 2017 08:41